Zum Inhalt Zum Hauptmenü
Menu

Kriegsjahr 1916

500.000, die sich täglich anstellen

Weiskirchner spricht stehend an einem Tisch, umgeben von Männern. Text: "Es wär' ja ganz schön g'wesn, wann sie sich in den Dreck zu uns hereingsetzt hätt'n, aber Einen, der drin umanander stiert, können man net brauch'n!"

Richard Weiskirchner gegen den Sozialdemokraten
Jakob Reumann – Karikatur,
Der Morgen, 25.9.1916, S. 9, WBR

Die Ungeduld in Wien wird größer und größer, die Qual des „Anstellens“ ist nicht zu umgehen. Die Leute müssen sich ausgefeilte Strategien zurechtlegen, um zu den begehrten Gü­tern zu kommen, alle Läden beobachten, immer Ausschau nach Gelegenheitskäufen halten, im Gedränge Tricks anwenden, das abgezählte Kleingeld bereitstellen, sich mit den Ladeninha­bern gut stellen, längere Anfahrtswege zu weiter abgelegenen Märkten in Kauf nehmen. Um sich bei mehreren Geschäften anstellen zu können, arbeitet man mit dem System der Reser­vierungen.

 

Frauen nehmen Kleinkinder mit auf die nächtlichen Touren, um be­vorzugt zu werden. Die Aggressionen sind groß. Im Herbst 1916 nimmt die Gereiztheit noch einmal zu, wächst in der Beobachtung der Polizei die Nervosität. mehr